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JKA - Japan Karate Association



Japan Karate Association

Das Nihon Karate Kyokai, oder auf Englisch die Japan Karate Association (JKA) mit Hauptsitz in Tokyo ist die weltweit bekannteste und angesehenste Organisation im Shotokan-Karate. Aus ihren Reihen stammen viele der bekanntesten Karatemeister der Welt, wie Ueki, Osaka, Tanaka, Kanazawa, Nishiyama, Asai, Kase, Enoeda, Shirai, Ochi, Okazaki und viele andere mehr. Über Jahrzehnte ist es der JKA gelungen, eine weltweite Organisation aufzubauen und Ausbilder in viele Länder zu entsenden. So kam zum Beispiel in den 60er Jahren Hirokazu Kanazawa nach Deutschland und als sein Nachfolger 1970 Hideo Ochi der bis heute unserem Verband, dem DJKB, vorsteht. Ochi-Sensei ist zudem Chefausbilder der JKA in Europa.

Geschichte der JKA

Masatoshi Nakayama
Masatoshi Nakayama war als Chief-instrucor für die technischen Belange der JKA zuständig.

Diese begann nach dem Zweiten Weltkrieg. 1945 starb Yoshitaka Funakoshi und sein Vater Gichin Funakoshi hatte sich weitgehend aus der Trainingsleitung zurückgezogen. Viele seiner Schüler waren im Krieg gefallen und das ganze Land befand sich in einem desolaten Zustand. Das Shotokan-Dojo war zerstört, trainiert wurde an Universitäten. Die Leitung des Shotokan-Karate hatten zu diesen Zeitpunkt Funakoshi-senseis Schüler Egami und Hironishi übernommen.

1946 kehrte Masatoshi Nakayama aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Nakayama hatte schon vor dem Krieg bei Funakoshi-Sensei trainiert und suchte nun nach neuen Möglichkeiten, um das Karate voranzubringen. Insbesondere verfolgte er die Idee, eine Organisation zu schaffen, die in der Lage wäre, dem Shotokan-Karate landesweite Verbreitung zu ermöglichen. Zu dieser Zeit bestanden bereits viele verschiedene Stile des Karate, die regionale Unterschiede aufwiesen. Einen Verband in der Form, wie wir es heute kennen, gab es damals nicht. Nakayama gelang es, die angesehenen Meister Nishiyama und Obata von seinen Vorstellungen zu überzeugen. Sie unterstützten auch seine Absicht, im Karate Wettkämpfe einzuführen. Etwas, das es bis dahin nicht gegeben hatte und das maßgeblich für das Zerwürfnis mit anderen Gruppierungen innerhalb des Shotokan-Karate werden sollte.

1949 wurde das Nihon Karate Kyokai (JKA) offiziell gegründet und 1957 auch staatlich anerkannt. In ihr sollten sich die verschiedenen Gruppierungen des Shotokan vereinigen, das Karate landesweit einheitlich verbreitet und ein Regelwerk für Wettkämpfe erarbeitet werden.

Bereits da standen viele der JKA skeptisch gegenüber. Zum einen, weil Wettkämpfe bis dahin mehrheitlich abgelehnt wurden. Zum anderen, weil bereits bestehende Zusammenschlüsse, wie das Shotokai um Egami, sich nicht vereinnahmen lassen wollten. Aber vor allem spielte die soziale Situation im Nachkriegsjapan eine entscheidende Rolle. Es herrschte damals eine rigide Klassenstruktur, die Stellung des Einzelnen in der Gesellschaft hing vom Prestige seiner Vorfahren und seinen Vermögensverhältnissen ab. Dies galt selbstverständlich auch für die Universitäten und vor allem an diesen wurde Karate in Tokyo geübt. Eine Vorreiterrolle hatten hier die renommierten Unis Keiyo, Waseda, Hosei und der soziale Außenseiter Takushoku. Dieser gehörte jedoch Nakayama an. Obwohl aus einer Samuraifamilie stammend und von dieser mit dem Auftrag nach Tokyo entsandt, Medizin zu studieren, schrieb sich Nakayama an der Takushoku ein. Dadurch verlor er viel von seinem sozialen Status und es entstand das Problem, dass sich die Karateka der Oberschicht nicht von solchen aus der „niederen“ Takushoku leiten lassen wollten.

Der Konflikt, insbesondere mit dem Shotokai, verschärfte sich, als Anfang der 50er Jahre die Karatelehrer der Takushoku bezahlt wurden. Dies sorgte unter den Karateka der Oberschicht, die ohne Bezahlung unterrichteten, aber auch nicht auf dieses Geld angewiesen waren, für große Empörung. Als die JKA Mitte der 50er das erste kommerzielle Dojo eröffnete, kündigten viele der Oberschicht-Unis ihre Mitgliedschaft in der JKA. Damit waren sie, nach dem damaligen Maßstäben, zwar moralisch auf der richtigen Seite, aber von der Verbreitungsstrategie der JKA ausgeschlossen.

Somit verließen zwar viele anerkannte Meister die JKA (unter anderem Obata), aber es war noch sehr viel Substanz vorhanden und die JKA war von störenden Einflüssen befreit und konnte sich darauf konzentrieren, ihre Vorstellungen zu verwirklichen. Der Plan, Karate weltweit zu verbreiten, konnte nun angegangen werden. Dazu war es notwendig, junge Karatemeister entsprechend auszubilden und hierbei kam Meister Nishiyama eine entscheidende Rolle zu.

Der JKA kam einerseits sein Organisationstalent und andererseits das hohe Ansehen seiner Familie zugute. Seine Karatekompetenz war ohnehin über jeden Zweifel erhaben. Nishiyama gelang es 1956 den ersten der legendären Instructor-Kurse der JKA unter seiner Leitung zu starten. Teilnehmer diese zweijährigen Kurses waren Kanazawa, Mikami und Takura. Sie und die Teilnehmer der weiteren Kurse boten herausragende Wettkampfleistungen und viele Unis traten der JKA bei, um die Möglichkeit zu erhalten, von diesen Instrukteuren unterrichtet zu werden. Dadurch gelang es der JKA, sich im japanischen Hochschulkarate so zu verbreiten, wie sie es sich gewünscht hatte.

Seit 1955 leitete Meister Nakayama die JKA und 1957 wurde der erste Instructor ins Ausland entsandt, Mikami ging auf die Philippinen. 1958 ging Kanazawa nach Hawaii und 1960 Meister Nishiyama in die USA. In den folgenden Jahren wurden immer mehr Instrukteure in die Welt entsandt (unter anderem kam Ochi-Sensei 1970 nach Deutschland) und mittlerweile ist die JKA auf allen Kontinenten stark vertreten.

Schwere Jahre

Im Karate gibt es traditionell die starke Tendenz zur Trennung, Abspaltung und Bildung von Splittergruppen. Davon blieb auch die JKA nicht verschont. Im Laufe der Jahre verließen etliche Karateka und auch Instrukteure den Verband. Insbesondere in den 90er Jahren tobte ein, von einer Gruppe mittlerweile ausgeschlossener Karateka ausgelöster, fast schon bizarrer gerichtlicher Streit um das Recht am Namen JKA, der schließlich gewonnen werden konnte. Der JKA gelang es aber immer wieder herausragende Karatemeister hervorzubringen, die nicht nur äußerst starke Wettkämpfer sind, sondern vor allem das Credo der JKA, dass es im Karate nicht um Sieg oder Niederlage, sondern um die Entwicklung des Charakters geht, glaubwürdig und kompetent vertreten und weitergeben können.

Shihan HideoOchi
Shihan Hideo Ochi

Auch die JKA-Deutschland blieb von Spaltungen nicht verschont. Nachdem die JKA über ihre Ausbilder Kanazawa und Ochi Karate nach Deutschland gebracht hatte, entstand zunächst der Deutsche Karate Bund (DKB). Dieser war dank der Arbeit von Ochi-Sensei sehr erfolgreich. Er gewann rasch an Mitgliedern, Ansehen und auch viele Wettkämpfe. Das technische Niveau war von Beginn an sehr hoch. Durch Einbindung anderer Organisationen entstand später aus dem DKB der Deutsche Karate-Verband (DKV). Anfang der 90er Jahre formierten sich innerhalb des DKV verschiedene Interessengruppen. Ausgangspunkt der Kontroverse war insbesondere die Frage, wie weit das Karate versportlicht werden sollte. Vor diesem Hintergrund wurde auch die Position des Chefausbilders und Nationaltrainers Ochi-sensei angegriffen.

Ochi-sensei hielt es für falsch, aus Karate einen beliebigen Sport wie jeden anderen zu machen. Daher entschied er sich in den Jahren 1993/94 gemeinsam mit kompetenten Mitstreitern einen neuen Verband in der Tradition der JKA und des DKB zu gründen. So entstand der Deutsche JKA-Karate Bund e.V. (DJKB). Zunächst war der DJKB bestrebt, innerhalb des DKV als eingeständige Stilrichtung anerkannt zu werden und weiterzubestehen. Dies war jedoch offensichtlich von der DKV-Führung nicht gewünscht und der DJKB wurde ein eigenständiger Verband mit derzeit etwa 30.000 Mitgliedern!

Das Karate der JKA

Karate im Sinne der JKA ist eine lebensbegleitende Kampfkunst, die eine entsprechende geistige Einstellung verlangt und entwickelt. „Karate … ist ein Training des Körpers und des Geistes; dem Gegner mit Respekt und Fairneß gegenüberzutreten gehört dabei zu den wichtigsten Voraussetzungen. Es genügt nicht, nur mit ganzer Kraft zu kämpfen.“ (aus Karate perfekt, Masatoshi Nakayama, Falken-Verlag 1983/88).

Die Säulen des JKA-Karate sind Kihon (Grundschule), Kata (Form) und Kumite (Kampf). Nur wer diese drei Säulen ernsthaft, dauerhaft, konsequent und gleichberechtigt übt, wird ein starker Karateka. Alles andere sind nur kurzfristige Erfolgserscheinungen. „Es gibt einfach keine andere Möglichkeit, als Schritt für Schritt und Technik um Technik die Grundlagen zu lernen und sich mit ihnen vertraut zu machen.“ (aus Karate perfekt, w.o.). Das beständige Üben der Grundtechniken formt den Charakter des Karateka, das Üben der Kata eröffnet ihm das Wesen des Karate-do und das Kumite gibt ihm die Möglichkeit, sich mit einem Partner zu messen. So erhält jeder, der JKA-Karate trainiert, die Möglichkeit, auf dieser Grundlage seinen ganz eigenen Karate-Weg zu finden.

Der Wettkampf spielt in unserer heutigen Leistungsgesellschaft eine große Rolle und hat auch im JKA-Karate seinen festen Platz. Es ist aber falsch, seine Bedeutung überzubewerten. Er kann nur ein Nebenprodukt des Karate-do sein, allein schon, weil die Teilnahme an Wettkämpfen nur eine kurze Phase im Karate-Leben sein kann. Den Wettkampf in den Vordergrund zu rücken, entfernt Karate von seinen geistigen Inhalten und macht daraus einen beliebigen Sport. Karate-do ist aber viel mehr und das Streben nach Titeln oder Wettkampferfolgen ist nicht Sinn und Zweck des JKA-Karate und wird als schädlich betrachtet, „weil dabei die ernsthaften Bemühungen zu kurz kommen, die zum Erlernen der Grundlagen einfach notwendig sind“ (Karate perfekt, w.o.). Nachteilig ist auch das Aufweichen der Techniken durch Modeerscheinungen wie Kata zur Musik oder Mischungen aus Karate und Aerobic. Ebenso kritisch ist das Streben nach olympischer Anerkennung des Karate zu sehen. Dadurch würde die Kampfkunst in einer bisher unbekannten Weise kommerzialisiert.

Die JKA heute

Amtierender Chief Instructor ist Sensei Sugiura (9ter Dan). Die technische Leitung der JKA im Alltagsgeschäft üben die legendären Instructor Ueki, Tanaka und Osaka aus. Sie alle unterrichten im Hauptquartier der JKA in Tokyo, halten aber auch Lehrgänge in Europa ab. So ist vor allem Tanaka-Sensei immer wieder in Europa, unter anderem beim alljährlichen Gasshuku in Ungarn.

Heute ist die JKA auf allen Kontinenten und in 120 Staaten mit Instruktoren und Verbänden aktiv. Über den Eintrag in ihre berühmte Dan-Rolle in Tokyo kann jeder bei der JKA erworbene Dan-Grad internationale Anerkennung erhalten. Die JKA hält vielfältige Aktivitäten sowohl in Japan, als auch auf der ganzen Welt ab. Darunter große Lehrgänge wie den weltweit bekannten alljährlich stattfindenden Sommerlehrgang in Deutschland, den Gasshuku, unter der Leitung von Ochi-sensei.

Trotz der Abspaltungen, Widerstände und Kontroversen ist es der JKA über die Jahrzehnte gelungen, eine Kraft im Karate zu werden, die weltweit anerkannt wird. Der Name JKA ist ein internationales Gütesiegel geworden.







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